PETER HANKE

Autor, Wanderer zwischen den Welten

Ich schreibe Bücher und Texte für ein an menschlichen Abgründen interessiertes Publikum – und begebe mich dabei gerne in die verborgenen Räume unserer Gesellschaft und unserer Vergangenheit.



ÜBER DAS UNGESAGTE

Die Autofiktion wagt sich in die verborgenen Räume der deutschen Nachkriegszeit. In den Familien herrscht ein Schweigen, das von Generation zu Generation weitergegeben wird – ein toxisches Erbe aus Schuld, Scham und Verdrängung.

Ein Sohn durchbricht das Schweigen. Er begibt sich auf die Suche nach der Wahrheit über seinen Vater. Mit dem Mittel  der Imagination rekonstruiert der Sohn ein Leben zwischen Täterschaft und Opfersein. 

Am Ende begreift er, dass sein Vater nie wirklich aus dem Krieg heimkehren konnte. Was er findet, ist die Geschichte einer ganzen Generation, die ihre Vergangenheit begraben wollte und dabei ihre Zukunft vergiftete.

Die Geschichte des Vaters stellt sich als eine Anti-Odyssee dar.Sie wird exemplarisch zu einer Lebensgeschichte, die zeigt, wie fehlgeleiteter Größenwahn in die Katastrophe führt.  

Und sie erzählt eine Geschichte über das, was bleibt, wenn alles andere zerstört ist. Über die Unmöglichkeit des Vergessens und die Notwendigkeit der Erinnerung. Über die Suche nach Wahrheit in einer Welt voller Leerstellen, Verharmlosung und Fälschung.

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LEHRERBEGLEITHEFT

EINE LERN-REISE ZU BLINDEN FLECKEN DER ERINNERUNGSKULTUR

Für eine erweiterte Erinnerungskultur von heute werden in 7 Stationen zentrale Fragen über Schuld und Verantwortung, Wahrheit und Lüge, Pflicht und Anstand, Verdrängung und Traumaübertragung,falsche Heldenmythen, Individuum und Geschichte und zeitgemäße Formen des Erinnerns gestellt, um ein Bewusstsein für unsere kollektive Verantwortung zu schaffen und die junge Generation für Verhaltens- und Denkmuster zu sensibilisieren, die heute wieder gefährlich aktuell sind.

Unterrichtsmaterial für die Sekundarstufe II mit fertig vorbereiteten Arbeitsblättern

Fächer: Geschichte · Deutsch · Ethik/Sozialkunde · Psychologie Klassenstufe: 10–13 (ab 16 Jahren) 


AKTUELL IN ARBEIT

SHOWTIME BERLIN 

Eine Rachegeschichte

Lilith, eine junge Frau aus Namibia, kommt nach Berlin. Die Rachegöttinnen im Gewölbe unter der Schlossfreiheit haben darauf nur gewartet. Endlich jemand, der für Gerechtigkeit sorgen könnte. Späte Vergeltung an einem Offizier und einer Gesellschaft, die Vergewaltigung als „Nichtigkeit“ betrachten. 

Es entwickelt sich eine aberwitzige Geschichte über eine zerrissene Stadt zwischen Größenwahn und Zerstörungslust und über Abgründe, die bis heute noch fortwirken. 

Wir begegnen dem vergessenen Spektakel der Gewerbe- und Kolonialausstellung von 1896 im Treptower Park, In der Luft liegt der Geruch von Blut und Eisen, der Berlins einstige Größe hervorgebracht hat. Die überdimensionale Granitschale im Lustgarten wird zur Bühne der Heimzahlung im Angesicht der fabelhaften Skulptur der Amazone. Es ist Show_Time in Berlin – die selbst Rachgöttinnen an den Rand der Verzweiflung bringt.


ERSTLING / PROMOTIONSARBEIT

BIOGRAFIE EINES VIELSCHREIBERS DER GOETHEZEIT

Soden bewegte sich in zeittypischer Ambivalenz zwischen adeliger Herkunft und bürgerlichem Selbstverständnis. Als Standesperson betont er ausdrücklich, „die Ansprüche der Geburt entbehren zu können“. So sucht er nach Anerkennung als Autor von zig Dramen, populärphilosophischen und politischen Schriften im Geist der Aufklärung sowie einer 10-bändigen Nationalökonomie nach Adam Smith, als Theaterunternehmer und Initiator philanthropischer und frühkonstitutioneller Projekte. Nicht unerfolgreich zu seiner Zeit, bleibt er oft nur ein Nachahmer, dem es nicht gelingt, zu weitreichender Bedeutung zu gelangen. Eine schillernde Figur, die vermittelt, was an der Wende zum 19. Jahrhundert gedacht und geschrieben wurde.

Peter Hanke, EIN BÜRGER VON ADEL. Leben und Werk des Julius von Soden, Königshausen u. Neumann, Würzburg 1988


VITA


SCHREIBER, WELTENWANDERER

Ich komme aus Sulzbach-Rosenberg, einer Kleinstadt in der Oberpfalz. Es gibt dort ein Literaturarchiv, gegründet von Walter Höllerer und meinem Großvater, der mich mit der Liebe zu Büchern und Bibliotheken infiziert hat.

Mit dem Verlangen nach Vielfalt studierte ich an der Maximilians-Universität Würzburg Germanistik, Politik, Philosophie, Kunstgeschichte und Geschichte. Das Ergebnis: Magister in Geschichte, Promotion mit einer interdisziplinären Arbeit über einen Vielschreiber der Goethezeit.

Mein Faible für das Schreiben katapultierte mich aus der Welt des 18. Jahrhunderts in die Welt der Märkte von morgen. Als Texter und Kreativdirektor entwickelte ich in Frankfurt am Main für renommierte Werbeagenturen Geschichten und Filme für Heilsalbe, Joghurt, Automobile, Diamanten, Kirschpralinen, Bio-Wurst. Als  Ghostwriter und Blogger schrieb ich über Sexualstrafrecht und Gesundheitsthemen. Als Dozent unterrichtete ich kreatives Schreiben und konzeptionelles Denken an diversen Hochschulen.

Heute lebe ich in Berlin und schreibe Geschichten, die verschwiegene und verborgene Schichten in Gesellschaft und Geschichte freilegen und erzählen.


KONTAKT



TEXTE

Eine deutsche Anti-Odyssee

Über einen Kriegsheimkehrer, der ausgezogen war, um ein Held zu sein, der aber nicht, wie Odysseus, seine Heimat wiederfinden konnte, weil es diese nicht mehr gab. Einer der im Namen aller verführten, geschundenen, gebrochenen, namenlosen, unbekannten Täter und Opfer einen holprigen Hexameter verdient hat und einen gelegentlichen Spondeus.

Gewähre mir Kraft, o Göttin des heiligen Gesangs, 

das Unaussprechliche endlich nun auszusprechen, 

die Schatten zu lichten, die das Verstehen verhüllen.

Nach der gewaltigen Zerstörung, als Trümmer auf  Trümmer sich häuften.

Einer, der Held sein wollte in heillosem Kriege der Deutschen. 

Einer, verstrickt in den Krieg, dessen gemeinsame Schuld war

Schwerer als alle Kriege zuvor, die Menschen erfuhren.

Einer der heimwärts wollte, doch fand er kein Heimatland wieder. 

Viel gewanderter Mann, irre geführt in den Zeiten. 

Bliebst du gefangen in dir und mit deinen Trümmern alleine.

In verschwiegener Zeit, da schweigend die Schatten dich plagten.

Heldentum ward euch verabreicht wie das tägliche Brot. 

Gleichschritt marschierend, triumphierend mit Stahlhelm und Fahne. 

Held wie die anderen wolltest du sein, nach Ruhme du strebtest

Ehe du Held noch geworden, warst du vom Sockel gestürzt schon.

Treue, so schworst du, als man dich lehrte, dass Treue sei Tugend, 

Darum zogst du hinaus in den Krieg, ohne Fragen, gehorsam. 

Pflicht und auch Ehre, sie wurden zum Rückgrat, gaben Dir Halt, 

Ohne Frage nach dem Warum – was dir blieb, war die Haltung.

Fähnlein- und Scharführer, sie befahlen dir vorwärts zum Kampf!

Zwischen den Birken im Wald und ragenden Kiefern zu lauern –

Schickten dich aus an die Front, dass du tötest die anderen im Kampfe

Doch auf dem Bohlenwege zerschlugen die Feinde dein Leben.

Du wurdest gepeinigt und grausam geprügelt von feindlichen Händen,

Ehre ward niemals dir zuteil, nein, nur die dunkle Latrine

Schwärende Wunden am Leib und Schussbruch, unsägliche Schmerzen.

Lachend verspottete dich die Geschichte, es blieb dir der Ruhm fern.

Schon mit zwanzig Jahren bist du zum ersten Male gestorben.

Unmöglich wars geworden, zu werden, der du einst hättest sein können.

Jenem ins Antlitz zu blicken, der einstmals du warst vor dem Fallen. 

Als ob eine Horde von Göttern aus purer Langeweile entbrannt war 

Seltsames Spiel nun mit dir trieb und dich schleuderte tief ins Heillose, 

Warf dich in Zeiten, Zustände wie Treibholz dahin und wie haltlose Kugeln, 

Brachte dich endlich in Lagen, denen kein Mensch je gewachsen gewesen.

Was bei Odysseus die Götter, das waren dir Staat und Geschichte.

Einer von denen, die namenlos blieben, vergessen von allen.

Endlich warst du zugleich Täter und Opfer, doch nicht, weil du schwiegst, 

Sondern weil du dir selbst, viel gewanderter Mann, zu lange geglaubt hast.

Keine Insel der Heimat gab es für dich, keine sonnigen Höhen

Wo sich Neritons Haupt türmte mit ragenden, rauschenden Wipfeln.

Nimmer verstummen die Geschichten der Helden, von Ruhm und von Ehre. Menschliches Übermaß rächt sich, und endlos ist, was sich da rächet.

Schleichendes Gift der Verdrängung, Verstummen vor sich und vor anderen. 

Alte Last und der stumme Raum blieben lebenslang eng nun verbunden. 

Was wäre geworden in friedlichen Zeiten ohne Krieg und Vertreibung? 

Anderes wäre geworden, ich selbst wäre niemals auf Erden.

Also muss ich es nehmen, so wie es war: traurig, grausam, absurd.

Unser Daseins, als ob es gleichgültig, auf Erden zu weilen.

Ausgestattet mit dem Willen zur Macht, der rasch zu Kriegen uns führet.

Was wir gerne verdrängen: wir wollen oft mehr sein, als wir vermögen.

Doch in Wahrheit kehret es ewig sich wieder: die Menschen vergessen. 


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